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16.10.2017 | Vanessa N. Schmitz

Orgel-Benefiz-Konzert

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Orgel-Benefiz-Konzert

Deutscher Orgelbarock - Entfaltung und Emanzipation

 

19.11.2017, 17:00 Uhr
Ev. Gemeindehaus Widdersdorf, Zum Dammfelde 37, 50859 Köln

 

Der Eintritt ist frei, es wird um Spenden gebeten für LIFEGATE - Lebenstore für Kinder und Jugendliche mit körperlicher und geistiger Behinderung in Beit Jala bei Bethlehem (Westjordanland)

 

 

Stefan Heep spielt folgendes Programm: 

 

Samuel Scheidt (1587 – 1654) Gelobet seist du, Jesu Christ

Die Entfaltung der Orgel zu einem eigenen Konzertinstrument begann in Italien. In Deutschland gab der protestantische Choral den entscheidenden Impuls. Für ihn galt es Vor- und Zwischenspiele zu schaffen. Die Charakteristik des deutschen Orgelbarock war die Eigenständigkeit aller Stimmen, also auch des Pedals. Diese Emanzipation wurde von Samuel Scheidt grundgelegt. Er komponierte polyphone Choral-Variationen, in deren Strophen der Cantus Firmus durch die Stimmen wanderte. Im zu Gehör kommenden Stück erreicht er auch das Pedal, ertönt dort aber durch seine 4'-Registrierung als Alt-Stimme.

 

Dietrich Buxtehude (1637 – 1707) Präludium und Fuge in F-Dur

In dem Lübecker Organisten findet die konzertante, nicht mehr Liturgie-gebundene Orgelmusik ihren ersten Höhepunkt und die norddeutsche Orgelschule ihren Meister. Hier wechseln auf engem Raum Formen und Tempi, virtuoses Spiel und akkordisch gebundene Ruhephasen, und schaffen so ein wirkungsvolles Klangspektrum. Die polyphone Formen- wie Metrumstrenge werden zugunsten eines gesteigerten Ausdrucks aufgegeben. Das wird besonders in der Fuge deutlich, deren tragendes Element eher das Echo als der strenge Kontrapunkt ist. Sie ist eigentlich für drei Manuale konzipiert. 

 

Johann Sebastian Bach (1685 – 1750)Präludium und Fuge e-Moll und Triosonate in c-Moll

Bach hat Buxtehudes Orgelmusik aus ersten Hand studiert. Virtuosität und Überraschungseffekt nahm er vom Lübecker Meister mit, um sie mit der Reinheit der polyphonen Form zu verbinden. Bach lotete die harmonischen Ausdrucksmöglichkeiten bis an ihre Grenzen aus: Chromatik und spannungsgeladene Intervalle wie Tritonus und große Septime streben zum harmonischen Ausgleich wie Harmonien durch Umdeutung neue Spannungen erzeugen. So gerät das Präludium und Fuge in e-Moll durch konsequente polyphone Stimmführung wie durch variantenreiche Kadenzerweiterungen und verzögerte -auflösungen zu einem ausdrucksstarken Charakterstück. Die Zwischenstücke, die die strenge Form der Fuge auflockern, lassen in ihrer virtuosen Spielfreudigkeit noch den norddeutschen Lehrmeister durchblicken. Höhepunkt der Gleichberechtigung der Stimmen sind Bachs Triosonaten. Hier zeigt Bach, dass Dreiklänge nicht nur vertikal, sondern auch horizontal verwendbar sind. Durch Echo und Umkehrung zueinander in Beziehung gesetzt, gehen so Akkorde in reiner Polyphonie auf.

 

Johann Gottfried Walther (1684 – 1748)Concerto del Signore Meck, appropriato all' Organo

Der Weimarer Organist, Zeitgenosse und entfernte Verwandte Bachs ging in seinen Orgeltranskriptionen von Konzerten meist italienischer Meister den Weg in Richtung homophoner Bindung und Ausschöpfung des Klangspektrums der Orgel. Das wurde wegweisend für die spätere Romantik. Das Konzert seines Zeitgenossen, des deutschen Geigenvirtuosen und Komponisten Joseph Meck, ist durch Walthers Transkription bekannt geblieben.

 

Zusammenfassung:

Höhepunkte des deutschen Orgelbarocks, Entfaltung der polyphonen Orgelmusik, Emanzipation der Stimmen. Von Samuel Scheidt, der zum ersten Mal das Pedal gleichberechtigt neben die Hände stellte, über den Meister der norddeutschen Orgelschule, Dietrich Buxtehude, der die Virtuosität der Orgel entdeckte, zum Vollender Johann Sebastian Bach, der die harmonischen Ausdrucksmöglichkeiten wie die gleichberechtigte Stimmführung bis an ihre Grenzen auslotete. Die Konzerttranskriptionen Johann Gottfried Walthers weisen bereits den Weg zur Orgelromantik.

 


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